Kinder tun viel, was Eltern für falsch halten. Socken ausziehen und aus dem Kinderwagen schmeißen. Sich hinsetzen, wenn die Straße nass ist. Wände anmalen, wenn keiner guckt. Einen Keks stibitzen, obwohl die Zähne schon geputzt sind. Aus dem Wohnzimmer jeden Abend einen „Saustall“ machen. Eltern sagen dann bei kleinen Kindern: „Neeeeein. Bah.“ „Lass das.“ „Ooooh, nicht schon wieder!“ Bei etwas größeren: „Ich hab Dir doch gesagt, Du sollst da nicht reinfassen.“ „Hatten wir das nicht gestern erst?“ „Wir hatten das doch besprochen.“ „Jetzt ist aber echt mal gut.“ „Freundchen, es reicht.“ Nach zwei, drei, vier Jahren Socken auf dem Spielplatz suchen, Töpfe wieder in den Schrank einräumen, Saft aufwischen, zugucken beim Auf-der-Zahnbürste-Rumlutschen kann man denken, die machen das absichtlich. Denen fällt immer was Neues ein, uns zu ärgern. Die testen, wie weit sie gehen können. Die müssen jetzt aber endlich mal die Konsequenzen spüren!
Und was wäre eine Konsequenz, die kleine Leute spüren, die sich noch nicht selbst regulieren können und noch wenig ausgebildete intellektuelle Fähigkeiten zum Nachvollziehen von Argumenten besitzen? Wenn man sich in eine Pfütze setzt, kriegt man einen nassen Hosenboden. Das kann ziemlich ungemütlich sein. Der kalte Hintern (sofern keine Windel dazwischensteckt) ist die unmittelbare Konsequenz aus einer Handlung, die ein Kind nachvollziehen kann. Zur Strafe am Abend nichts vorgelesen zu bekommen wird ein kleines Kind nicht mit der Pfütze in Verbindung bringen. Sondern sich abgelehnt fühlen und unglücklich sein, weil ihm die liebste Zeit des Tages genommen wurde. Nach dem Keks noch mal Zähne putzen ist eine logische Folge, die keinen Spaß macht, aber in verständlichem Zusammenhang mit dem Keks steht. Eine Woche Kekse zu verbieten ist eine Strafe, die das Kind am nächsten Tag nicht verstehen wird, weil das Keksverbot in keinem Wesenszusammenhang mit der ollen Bürste gesehen wird.